Typen von Betonwassertürmen

Wassertürme aus Beton kamen in Deutschland erst relativ spät auf. Einen ersten Wasserturm aus Eisenbeton soll Joseph Monier bereits 1868 in Maisons-Alfort in Frankreich gebaut haben. Monier erhielt 1867 ein Patent für ein eisernes Gitterwerk zur Formgebung von Gartenkübeln aus Beton, das sich sehr schnell im Betonbau durchsetzte. Der erste in Monierbauweise in Deutschland errichtete Turm steht im sächsischen Sayda. Auf einem gemauerten Sockel von 15,5m Höhe ruht ein 7,2m durchmessender und maximal 5,2m hoher Betonbehälter. Boden und Decke sind kuppelförmig gewölbt.

PutzbrunnKurz nach 1900 entstanden zahlreiche kleine Wassertürme mit rechteckigen Flachbodenbehältern vor allem in Bayern, etwa in Putzbrunn oder Feldkirchen. So fasste der Turm in Putzbrunn 50m³. Äußerlich passte man die Türme an den örtlichen Charakter an in Putzweise und mit Holzverkleidungen im Behälterbereich.

Bei größeren Behältern kam dann die Skelettbauweise auf, bei der der Behälter, oftmals zylindrisch, auf einem ausgemauerten Skelett aus Betonstützen ruhte. Frühe Beispiele sind die 400m³ fassenden Türme in Schwabmünchen von 1910 und Schweinfurt von 1911. Besonders schön sieht man das Wasserturm UetersenPrinzip am Uetersener Wasserturm, bei dem die Gemeinde aus Kostengründen später auf die Ausmauerung verzichtete.

Anfangs orientierten sich die Wasserwerke noch an der bewährten Form der Wasserbehälter, etwa dem Intze-Prinzip. In Edingen sollte der Turm zunächst einen Stahlbehälter bekommen. Wegen der geringeren Unterhaltungskosten änderte die Stadt 1908 die Planung und ließ die Firma Dyckerhoff & Widmann aus Karlsruhe einen Intzebehälter aus Eisenbeton bauen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in München gehörte weltweit zu den Pionieren für den Bau mit Stahlbeton und Spannbeton. EineWasserturm IllerkirchbergWasserturm Bühlerzell Schnitt ähnliche Behälterform finden wir im Hockenheimer Turm von 1909.

Wasserturm EdingenEdingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Materialkosten des immer besser werdenden Baustoffs machten jedoch bald aufwändige Behälterkonstruktionen überflüssig, insbesondere bei kleineren Wassertürmen, wie sie beispielsweise an vielen Übergabepunkten von Fernwasserleitungen entstanden, etwa der Bodenseewasserversorgung. Durch ausreichend dicke Behälterböden und eine kräftige Ausgestaltung der Stützkonstruktion durch geeignete Querstreben aus Eisenbeton in einer Plattenbalkendecke griffen die Ingenieure auf einfache zylindrische Behälterformen zurück, die dann massenhaft vor allem in Baden-Württemberg und Bayern noch bis in die 1980er Jahre hinein entstanden.

War dies aus gestalterischen Gründen gewünscht, so errichtete man Türme mit quadratischem Grundriss und setzte dann einen zylindrischen Behälter ins oberste Stockwerke. Besonders schöne Beispiele dafür sind die expressionistischen Türme in Neuenhagen, Bremen-Blumenthal, Preetz oder Bremerhaven-Wulsdorf, wo sogar zwei zylindrischen Behälter den Wohnwasserturm krönen.Wasserturm Bremen BlumenthalBremerhaven-Wulsdorf

Die Weiterentwicklung des Betonbaus vor allem durch den Stahlbeton, die Gleitbauweise und Kletterschalung in den 1920er Jahren ermöglichte den Bau völlig anders aussehender Wassertürme. Entscheidend für die neuartige Bauweise dürften jedoch Kostenaspekte gewesen sein. Relativ wenig Material- und Arbeitskräftebedarf war nun erforderlich, um Behälter für auch größere Wassermengen in zylindrischer, konischer oder hyperbolischer Form zu bauen. Ein sehr schmaler Schaft, eventuell von Zierelementen ohne Tragefunktion umbaut, trägt jetzt große Behälter.

Eine besondere Möglichkeit besteht bei den nach dem Zweiten Weltkrieg oft gebauten Wassertürme mitWasserturm Leverkusen kegelförmigen Behältern durch die Verfahren der Gleit- oder Kletterschalung. Zunächst wird der zylindrische Schaft in Kletterschalung gebaut: Dabei wird eine Schalung am Boden gebaut, mit Stahlskelett und Beton gefüllt und nach Trocknung hochgezogen und dann erneut gefüllt, bis die erforderliche Turmhöhe erreicht ist.Wasserturm Holzgerlingen

Der Behälter wird dann entweder auf dem Boden gegossen und später in die erforderliche Höhe am Schaft hochgezogen oder die Schalung wird auf dem Boden errichtet, hochgezogen und dann in der erforderlichen Höhe mit Beton ausgegossen. Derartige Türme mit teilweise gigantischem Volumen entstanden beispielsweise in Malmö 1972 und 1973 mit 5 650 m³ bzw. 10 200 m³ oder in den arabischen Staaten. In dieser Form gebaute Türme in Deutschland haben meist ein Fassungsvermögen von 400 bis 900m3. Der größte steht in Leverkusen mit einem 4000m³ fassenden Behälter.